Elastische Trainingsbänder für Pferde. Ein Leitfaden

Elastische Trainingsbänder für Pferde

Elastische Trainingsbänder für Pferde haben sich in den vergangenen zehn Jahren von einem spezialisierten Hilfsmittel in der Rehabilitation zu einem festen Bestandteil des täglichen Trainings entwickelt. Die wissenschaftliche Grundlage ist gewachsen, die Produkte wurden weiterentwickelt, und immer mehr Reiter integrieren sie in strukturierte Trainingsprogramme für Pferde unterschiedlicher Altersklassen und Disziplinen.

Dieser Leitfaden erklärt alles, was du wissen solltest: was elastische Trainingsbänder tatsächlich bewirken, was die wissenschaftliche Evidenz zeigt, wie sie in verschiedenen Trainingssituationen sicher eingesetzt werden und wie sie sinnvoll in ein umfassendes Trainingsprogramm integriert werden können. Jeder Abschnitt verweist auf einen ausführlichen Fachartikel, wenn du ein Thema vertiefen möchtest.


Was sind elastische Trainingsbänder für Pferde?

Elastische Trainingsbänder für Pferde sind Widerstandsbänder, die an einer Schabracke befestigt werden und sanften Kontakt mit dem Körper des Pferdes herstellen, meist im Bereich des Bauches und der Hinterhand. Während sich das Pferd bewegt, erzeugen die Bänder einen leichten, gleichmäßigen Widerstand, der als propriozeptiver Reiz wirkt: ein sensorisches Signal, das das Pferd dazu anregt, seine Rumpf- und Hinterhandmuskulatur aktiver einzusetzen.

Das entscheidende Wort ist sanft. Es handelt sich nicht um Hilfsmittel, die das Pferd in eine bestimmte Haltung zwingen. Sie geben lediglich einen Impuls, eine Erinnerung an das Nervensystem, dass diese Muskulatur aktiv arbeiten soll. Das Pferd findet die Aktivierung selbst, die Bänder erleichtern lediglich deren Wahrnehmung.

Systeme wie CORE by D kombinieren diesen Bandmechanismus mit einer Schabracke für den täglichen Gebrauch. Dadurch lässt sich das Trainingssystem ohne zusätzlichen Aufwand in normale Reiteinheiten integrieren.


Was zeigt die Forschung?

Die wissenschaftliche Evidenz zu elastischen Trainingsbändern für Pferde hat sich seit Mitte der 2010er Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Drei Studien bilden dabei die wichtigste Grundlage für das, was wir heute sagen können und was nicht.

Eine Studie des Royal Veterinary College aus dem Jahr 2017 zeigte, dass ein vierwöchiges Training mit elastischen Bändern unerwünschte Rotations- und Seitwärtsbewegungen der Brust- und Lendenwirbelsäule deutlich verringerte. Der Rücken war im Trab dynamisch stabiler.¹

Eine Studie der University of Tennessee aus dem Jahr 2021 verwendete Oberflächen-Elektromyographie (sEMG) und zeigte, dass elastische Trainingsbänder die Aktivierung des Musculus rectus abdominis erhöhten, eines wichtigen Bauchmuskels, der den Rücken von unten unterstützt.²

Im Jahr 2023 zeigte eine Studie der University of Georgia, dass Pferde mit einer leichten Lahmheit der Hintergliedmaßen nach einem Trainingsprogramm mit elastischen Bändern, das begleitend zur tierärztlichen Behandlung durchgeführt wurde, eine verbesserte Bewegungssymmetrie aufwiesen.³

Diese Ergebnisse sind bedeutsam. Ebenso wichtig ist jedoch, ihre Grenzen zu verstehen. Die Studien umfassen kleine Stichproben, die Kontrollgruppen sind begrenzt, und bisher gibt es keine wissenschaftliche Grundlage für die Aussage, dass elastische Trainingsbänder Verletzungen verhindern oder bestimmte Erkrankungen behandeln können.

Eine ausführliche und transparente Analyse aller Studien findest du in unserem Forschungsartikel über elastische Trainingsbänder für Pferde.

Här är Del 2 på tyska.


Wie funktionieren elastische Trainingsbänder? Propriozeption und Muskelaktivierung

Um zu verstehen, warum elastische Trainingsbänder diese Effekte haben können, hilft es, das Prinzip der Propriozeption zu kennen.

Propriozeption bezeichnet die Fähigkeit des Körpers, die Position und Bewegung seiner eigenen Körperteile wahrzunehmen. Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und der Haut senden fortlaufend Informationen an das Nervensystem darüber, wo sich die Gliedmaßen befinden, wie stark die Muskulatur belastet wird und wie der Körper im Raum ausgerichtet ist. Sind diese Signale klar und präzise, kann das Pferd die richtigen Muskelgruppen zum richtigen Zeitpunkt aktivieren.

Elastische Trainingsbänder verstärken diese sensorischen Signale. Der sanfte Druck auf Haut und Muskulatur sendet dem Nervensystem eine deutlichere Rückmeldung: Hier aktivieren, jetzt arbeiten. Das Ergebnis ist keine erzwungene Haltung, sondern eine aktivere und selbstständig organisierte Aktivierung der Rumpfmuskulatur. Genau darauf zielt ein gutes Core-Training ab.


Longieren mit elastischen Trainingsbändern

Das Longieren ist häufig der erste Einsatzbereich für elastische Trainingsbänder, und das aus gutem Grund. Ohne das Gewicht des Reiters kann sich das Pferd freier bewegen und seine Reaktion auf die Bänder lässt sich gut beobachten, etwa die Kopfhaltung, die Bewegung des Rückens und die Aktivität der Hinterhand.

Die Studie des Royal Veterinary College aus dem Jahr 2017 untersuchte die Pferde gezielt beim Longieren. Dadurch gibt es gute Hinweise darauf, dass die dort beobachteten positiven Effekte insbesondere für diese Trainingsform gelten.¹

Dabei sind einige technische Aspekte wichtig. Beginne mit einem großen Zirkel von mindestens 15 Metern Durchmesser, halte die Spannung der Bänder in den ersten Einheiten eher gering und arbeite beide Hände gleichmäßig.

Unsachgemäßes Longieren kann Asymmetrien verstärken. In unserem ausführlichen Leitfaden zum Longieren mit Trainingsbändern erfährst du mehr über den Trainingsaufbau, häufige Fehler und Anzeichen dafür, wann eine Trainingseinheit unterbrochen und neu beurteilt werden sollte.


Trainingsbänder mit Stangenarbeit kombinieren

Stangenarbeit und elastische Trainingsbänder wirken über unterschiedliche Mechanismen, sprechen jedoch viele derselben Muskelgruppen an. Dadurch können sich ihre Effekte sinnvoll ergänzen.

Beim Überqueren von Bodenstangen hebt das Pferd seine Gliedmaßen stärker an als im normalen Bewegungsablauf. Dadurch werden Bauch- und Rückenmuskulatur stärker beansprucht. Die Trainingsbänder liefern während der gesamten Einheit zusätzlich einen kontinuierlichen propriozeptiven Reiz.

Die sEMG-Studie der University of Tennessee zeigte, dass die Kombination aus Bodenstangen und einem elastischen Trainingsbandsystem zu einer stärkeren Aktivierung des Musculus rectus abdominis führte als der Einsatz eines der beiden Trainingsmittel allein.²

Ein sinnvoller praktischer Ansatz besteht deshalb darin, die Trainingsbänder während Einheiten mit Stangenarbeit einzusetzen, anstatt beide Trainingsformen getrennt voneinander zu betrachten.

Beginne mit fünf bis acht flach liegenden Bodenstangen. Erst wenn diese Übungen sicher und entspannt ausgeführt werden, solltest du schrittweise erhöhte Stangen einsetzen.

Unser Leitfaden zur Stangenarbeit enthält acht Übungen, die in einer sinnvollen Trainingsreihenfolge aufgebaut sind.

Här kommer Del 3 på tyska.


Elastische Trainingsbänder in der Rehabilitation

Die Studie der University of Georgia aus dem Jahr 2023 ist besonders interessant, da sie als erste den Einsatz elastischer Trainingsbänder gezielt bei Pferden mit Lahmheiten untersuchte. Die Ergebnisse waren vielversprechend. Pferde mit einer leichten Lahmheit der Hintergliedmaßen zeigten nach einem Trainingsprogramm mit elastischen Bändern, das begleitend zur tierärztlichen Behandlung durchgeführt wurde, eine verbesserte Bewegungssymmetrie.³

Das bedeutet jedoch nicht, dass Trainingsbänder eine Behandlung von Lahmheiten oder Rückenschmerzen darstellen. Rehabilitation ist immer eine tierärztliche Entscheidung. Trainingsbänder sollten erst eingesetzt werden, wenn eine Diagnose vorliegt und dein Tierarzt das Pferd für eine schrittweise Belastungssteigerung freigegeben hat.

Ist der richtige Zeitpunkt gekommen, können die Bänder den Wiedereinstieg ins Training unterstützen, indem sie die Aktivierung der Rumpfmuskulatur fördern, die nach einer Verletzung häufig vermindert ist.

Unser Artikel über elastische Trainingsbänder in der Rehabilitation erklärt, an welcher Stelle sie sinnvoll eingesetzt werden können, welche Grenzen sie haben und wie sie unter tierärztlicher Begleitung sicher eingeführt werden.


Elastische Trainingsbänder und junge Pferde

Hier ist besondere Vorsicht geboten. Keine der bisher veröffentlichten Studien zu elastischen Trainingsbandsystemen wurde speziell an jungen Pferden durchgeführt. Zudem bringt die Skelettentwicklung von Pferden unter vier oder fünf Jahren zusätzliche Aspekte mit sich, die durch die derzeitige Forschung noch nicht ausreichend untersucht wurden.

Die allgemeine Literatur zur Entwicklung junger Pferde legt jedoch nahe, dass kontrollierte Bewegung und propriozeptives Training mit geringer Belastung sinnvoll sein können. Gleichzeitig ist bekannt, dass Bewegungsmangel und eine zu geringe Belastung ebenfalls Risiken bergen.

Ob Trainingsbänder bei einem jungen Pferd eingesetzt werden sollten, sollte deshalb immer gemeinsam mit einem Tierarzt entschieden werden, der das betreffende Pferd untersucht hat.

Unser Artikel über Core-Training für junge Pferde beschreibt die Entwicklung des Bewegungsapparates, erklärt, was die aktuelle Forschung aussagt und welche Grundprinzipien unabhängig vom Alter des Pferdes gelten.


Ein vollständiges Core-Trainingsprogramm aufbauen

Elastische Trainingsbänder sind ein Baustein innerhalb eines umfassenden Core-Trainings für Pferde. Die nachhaltigsten Ergebnisse entstehen durch abwechslungsreiche Trainingsreize, beispielsweise durch Reiten mit Trainingsbändern, Longieren, Stangenarbeit, unterschiedliche Untergründe sowie ausreichend Erholung für Muskulatur und Bindegewebe.

Ein realistischer Trainingsaufbau für ein gesundes Pferd könnte so aussehen:

Woche 1 bis 2
Kurze Trainingseinheiten von fünf bis fünfzehn Minuten mit geringer Bandspannung. Ziel ist ein entspanntes Pferd mit freier Bewegung.

Woche 3 bis 4
Die Trainingsdauer wird schrittweise erhöht. Bodenstangen werden integriert und beide Hände werden gleichmäßig gearbeitet.

Ab Woche 5
Das Training wird abwechslungsreicher gestaltet. Longiereinheiten, Reiten mit Trainingsbändern, Stangenarbeit und Ausritte in unterschiedlichem Gelände wechseln sich ab. Dazwischen sollten ausreichend Erholungstage eingeplant werden.

Sichtbare Veränderungen der Muskulatur und der Bewegungsqualität sind in der Regel frühestens nach vier bis sechs Wochen zu erwarten. Muskulatur und Bindegewebe passen sich langsamer an als die allgemeine Kondition, die Veränderungen sind dafür jedoch nachhaltiger.

Eine ausführliche Anleitung mit häufigen Fehlern, Trainingsempfehlungen und Hinweisen dazu, wann tierärztlicher Rat eingeholt werden sollte, findest du in unserem Artikel So stärkst du den Rücken deines Pferdes.


CORE by D: Unser Ansatz für elastische Trainingsbänder

CORE by D wurde gemeinsam mit Tierärzten und Trainern entwickelt, um das Training mit elastischen Trainingsbändern in den Reitalltag zu integrieren. Das System kombiniert eine hochwertige Schabracke mit Trainingsbändern, die mit nur einem Clip befestigt werden und ohne aufwendige Vorbereitung im täglichen Training eingesetzt werden können.

Wir legen großen Wert auf Transparenz. Deshalb zeigen wir in unseren Forschungsübersichten nicht nur, was die wissenschaftliche Evidenz unterstützt, sondern auch, welche Grenzen sie hat. Wir behaupten nicht, dass Trainingsbänder Probleme lösen, für die bislang keine wissenschaftlichen Belege vorliegen.

Was die Forschung derzeit unterstützt, darunter eine verbesserte dynamische Stabilität des Rückens, eine erhöhte Aktivierung der Rumpfmuskulatur und eine verbesserte Bewegungssymmetrie bei leichter Hinterhandlahmheit, reicht aus, um elastische Trainingsbänder als sinnvolle Ergänzung eines gut strukturierten Trainingsprogramms zu betrachten.

👉 Entdecke das CORE by D Complete Set


Literatur

  1. Pfau T., Simons V., Rombach N., Stubbs N., Weller R. (2017). Effect of a 4-week elastic resistance band training regimen on back kinematics in horses trotting in-hand and on the lunge. Equine Veterinary Journal, 49(6), 829 bis 835.

  2. Shaw K., Ursini T., Levine D., Richards J., Adair S. (2021). The Effect of Ground Poles and Elastic Resistance Bands on Longissimus Dorsi and Rectus Abdominis Muscle Activity During Equine Walk and Trot. Journal of Equine Veterinary Science, 107, 103772.

  3. Forschungsgruppe der University of Georgia (2023). Ergebnisse zum Training mit elastischen Trainingsbändern bei Pferden mit leichter Lahmheit, zitiert nach der öffentlich verfügbaren Zusammenfassung der Forschungsgruppe. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels lag noch keine vollständig veröffentlichte wissenschaftliche Publikation vor.